31.08.2026

In­kraft­tre­ten des ers­ten glo­ba­len Re­gel­wer­kes für au­to­nom fah­ren­de Schif­fe

Am 1. Ju­li die­ses Jah­res ist das welt­weit ers­te, um­fas­sen­de Re­gel­werk für au­to­nom fah­ren­de Schif­fe in Kraft ge­tre­ten. Der In­ter­na­tio­nal Code of Safe­ty for Ma­ri­ti­me Au­to­no­mous Sur­face Ships (MASS Code) wur­de von ei­ner Ar­beits­grup­pe der In­ter­na­tio­na­len Schiff­fahrts­or­ga­ni­sa­ti­on (IMO) aus­ge­ar­bei­tet. Ent­schei­dend war da­bei die In­te­gra­ti­on in die be­reits be­stehen­den Re­gu­la­ri­en und die Be­ach­tung des gel­ten­den See­völ­ker­rechts.

Das Re­gel­werk rich­tet sich an al­le „Über­was­ser­schif­fe“ die von Ka­pi­tel 1 des SO­LAS-Über­ein­kom­mens er­fasst wer­den, d.h. Schif­fe über 500 BRZ die kei­ne Pas­sa­gier- oder Staats­schif­fe sind und in­ter­na­tio­nal ope­rie­ren. Eben­falls er­for­der­lich ist ein ge­wis­ser Grad an Au­to­no­mie. Ein Schiff ist au­to­nom im Sin­ne des Re­gel­wer­kes, wenn Funk­tio­nen, die bis­her von mensch­li­cher Be­sat­zung an Bord über­nom­men wur­den, nun au­to­nom oder re­mo­te con­trol­led durch­ge­führt wer­den. Er­wei­ter­te Au­to­ma­ti­sie­rung, wie sie an Bord von mo­der­nen Schif­fen üb­lich ist, reicht für sich ge­nom­men nicht aus, da­mit ein Schiff als au­to­nom an­ge­se­hen wird. Die IMO hat vier Gra­de der Au­to­no­mie fest­ge­legt, von Schif­fen mit un­ter­stüt­zen­den Funk­tio­nen (Grad I) über re­mo­te con­trol­led mit und oh­ne Be­sat­zung (Grad II + III), bis hin zu völ­lig au­to­nom fah­rend (Grad IV).

Ziel des MASS-Code ist, die si­che­re In­te­gra­ti­on sol­cher Schif­fe in den in­ter­na­tio­na­len See­ver­kehr zu er­mög­li­chen. Da­für wer­den Si­cher­heits­min­dest­stan­dards, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich Be­sat­zung, Alarm-Ma­nage­ment, Red­un­dan­zen und fall-back-sta­tes, fest­ge­legt. Die au­to­no­men Schif­fe sol­len in Be­zug auf Um­welt- und Si­cher­heits­stan­dards mit kon­ven­tio­nel­len Schif­fen ver­gleich­bar sein.

Die nun in Kraft ge­tre­te­ne Ver­si­on des Re­gel­wer­kes ist nicht zwin­gend, aber IMO-Mit­glied­staa­ten sind auf­ge­ru­fen, ihn um­zu­set­zen und da­mit an der „MASS Ex­pe­ri­ence-Buil­ding Pha­se“ ak­tiv mit­zu­wir­ken. Die Rück­mel­dun­gen der Mit­glied­staa­ten und der In­dus­trie sol­len zur Wei­ter­ent­wick­lung des Re­gel­wer­kes bei­tra­gen.

Wei­ter­hin un­ge­re­gelt ist die Fra­ge der Haf­tung, da ins­be­son­de­re im deut­schen Recht das Ver­schul­dens­prin­zip zen­tral ist. Dem­nach muss ei­ne Per­son – von Tat­be­stän­den der Ge­fähr­dungs­haf­tung ab­ge­se­hen – nur für den Scha­den ein­ste­hen, den sie vor­sätz­lich oder we­nigs­tens fahr­läs­sig ver­ur­sacht hat. Span­nend wird die Fra­ge des Ver­schul­dens ins­be­son­de­re dann, wenn kei­ne Per­so­nen mehr an Bord sind oder die Tech­nik, wie bei Grad IV, voll­stän­dig au­to­nom ar­bei­tet.

Der MASS-Code ist hier ab­ruf­bar.